CSD Pirna e.V.
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Presse 2018

Februar

Neuer Treff für Homosexuelle

Der Verein "CSD Pirna" eröffnet ein Begegnungszentrum auf der Langen Straße. Es erfüllt gleich mehrere Funktionen.

In Pirna gibt es jetzt eine neue Anlaufstelle für Homosexuelle. Der Verein "CSD Pirna" betreibt seit Donnerstag einen Treff im Haus Lange Straße 43. Er läuft offiziell unter dem Namen "Begegnungszentrum zur Förderung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge". Wegen des sperrigen Namens kürzen die Macher der Einfachheit halber den Namen schlicht mit "BZ" ab. Nach Auskunft von CSD-Vereinschef Christian Hesse erfüllt das Begegnungszentrum mehrere Funktionen. In erster Linie diene der Raum als Anlaufstelle für Schwule und Lesben, ganz besonders auch für geflüchtete Homosexuelle, die hier ihre Neigungen offener ausleben können als in ihren Herkunftsländern. "Die Menschen können sich hier in einem geschützten Raum treffen und sich, wenn gewünscht, sogar anonym beraten lassen, beispielsweise zum Thema Aids", sagt Hesse. Und der Treff ermöglicht auch, dass Gleichgesinnte Erfahrungen austauschen können.

Vor einem Jahr hatte der Verein begonnen, das Projekt zu entwickeln, bei dem die Pirnaer mit dem Dresdner Verein "Gerede" kooperieren. Seit 1. Februar ist die Anlaufstelle in Betrieb, sie öffnet zunächst an zwei Wochentagen, dienstags und donnerstags jeweils von 9 bis 16.30 Uhr. "Wir wollen erst einmal testen, wie der Treff angenommen wird", sagt Hesse. Stößt die Anlaufstelle wie erhofft auf große Resonanz, will der Verein die Öffnungszeiten ausweiten. Ratsuchende können aber auch jetzt schon Termine außerhalb der Öffnungszeiten vereinbaren. Offiziell eröffnet wird das Begegnungszentrum am 5. März, ab 13 Uhr, Gäste sind unter anderem Pirnas OB Klaus-Peter Hanke sowie Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping.

Wer bedroht Pirnas Homosexuelle?

 Bei der SPD und den Linken ist ein ominöses Schreiben gegen den CSD eingegangen. Nun ermittelt der Staatsschutz.

Das Datum hat Christian Hesse mit Bedacht gewählt. Die 7. Auflage des Christopher Street Day in diesem Jahr legte der Chef des Vereins "CSD Pirna" auf den 7. 7., das Zahlenspiel war einfach zu schön. Noch sind es fünf Monate bis zur großen Homosexuellen-Party auf dem Markt, doch schon jetzt ist die Freude darauf ein wenig getrübt. Eine Drohung überschattet die so fröhliche und weltoffene Schwulen- und Lesben-Fete.

Vor einiger Zeit trudelten sowohl in der Kreisgeschäftsstelle der Linken als auch im Bürgerbüro der SPD Briefe ein, die sich offensichtlich gegen den CSD und dessen Veranstalter richten. Die Briefe sind handgeschrieben, etwas kryptisch formuliert, der Inhalt erschließt sich nicht auf den ersten Blick. "Hinweis zum CSD 2018 Pirna" ist auf dem Schriebs an die Linken als Einleitung zu lesen, dann folgen einzelne Schlagworte wie "Böhmenfreundlich" und "Koran unbeliebt". Darunter versuchten sich die Verfasser an einem kompletten Satz: "Sollten deutsche Sympatisanten für Muslime, die homophob, intolerant sind, unsere Gesetzgebung und Grundgesetz nicht achten, Infostände aufbauen, werden die von uns umgehend wieder entfernt. Der Autor zeichnet mit dem Schluss: "Für eine Koranfreies Europa." Vom wem die Briefe stammen, ist noch unklar, aber der auf dem Umschlag notierte Absender hat es in sich - es ist die Anschrift des Büros der Bundestagsabgeordneten Frauke Petry. Die Polizei stuft die Briefe als derart brisant ein, dass inzwischen der Staatsschutz in dieser Angelegenheit ermittelt. Denn es ist nicht das erste Mal, dass jemand offen seine Abneigung gegen den CSD zeigt.

Im vergangenen Jahr zerschlitzten Unbekannte in der Nacht vor der Party unter der Regenbogenflagge die Planen auf der Bühne, zudem demonstrierten am Sonnabend mehre Männer unter dem Slogan "#nohomo" gegen die Fete. Überdies stänkerten die Pirnaer Unternehmer Daniel Heimann, Tim Lochner und Thomas Hobrack sowie der Stadtrat Walter Matzke (Pirnaer Bürgerinitiativen) gegen das Landratsamt und die Stadt Pirna, weil sie zum CSD die Regenbogenflaggen gehisst hatten - Behörden aber doch politisch zur Neutralität verpflichtet seien. Mit dem Schreiben hat die Anti-CSD-Haltung nun eine neue Stufe erreicht.

CSD-Chef Hesse ist allerdings noch weit davon entfernt, die Briefe wirklich ernst zu nehmen. Weil die Schreiben nicht direkt an den Verein gingen, sagt er, könne er derzeit eher darüber lachen. Eine tatsächliche Bedrohung kann Hesse nicht erkennen, obwohl er mit dem CSD genau das Gegenteil des Briefinhaltes bezweckt.

Die Veranstalter sind geradezu bestrebt, neue Nachbarn zum CSD zu locken. Man wolle, sagt Hesse, homosexuelle Muslime einladen, um ihnen zu zeigen, dass sie hier einfach so sein können, wie sie sind. "Sie sollen merken, dass man Homosexualität in Deutschland ausleben darf, ohne dafür bestraft zu werden", sagt der Vereinschef. 2017 kamen etwa 20 schwule Flüchtlinge zum CSD. Eine schwule Bürgerwehr, die etwas dagegen haben könnte, ist Hesse indes noch nicht untergekommen, er hält auch den Absender der Schreiben für ein Fake. "Hinter den Briefen steckt bestimmt jemand, der einfach nur Stunk machen will", sagt Hesse.

Allerdings ist allein schon dieser "Stunk" möglicherweise eine Straftat. Der Staatsschutz ermittelt in dieser Sache wegen Nötigung, weil die Polizei einschätzt, dass die Schreiben politisch motiviert sind. Weil es aber bis zum CSD noch einige Monate hin sind, ignorieren die Ermittler die Briefe nicht, bewerten sie aber auch nicht über. Interessant werde es nach Auskunft der Polizei insbesondere dann, wenn in den kommenden Monaten wiederholt Störabsichten zu erkennen seien. Ob der Absender der Schreiben inzwischen ermittelt ist, gibt die Polizei mit Verweis auf die noch laufenden Ermittlungen nicht preis. Die Existenz einer "schwulen Bürgerwehr" sei den Beamten nicht bekannt.

Auch die als Absender benannte Büroadresse von Frauke Petry kann sich die Herkunft der Briefe nicht erklären. Laut Oliver Lang, Sprecher von Petry, seien dem Büro die Schreiben nicht bekannt, auch stammten sie nicht von dort. Petry schlägt eher eine Bresche für die Veranstalter. Der CSD in Pirna sei ein Verein, heißt es in einer Erklärung, der überaus engagiert und professionell seine Ziele verfolge. Ehrenamtliches Engagement sei grundsätzlich zu begrüßen.

In diesem Sinne hält es auch Hesse, der trotz allem mit freudiger Erwartung in die diesjährigen CSD-Vorbereitungen geht. "Wir lassen uns nicht einschüchtern", sagt der Vereinschef, "die Briefe spornen uns eher noch an, etwas zu machen."

März

Ministerin eröffnet Homosexuellen-Treff

Der Verein "CSD Pirna" etabliert eine neue Begegnungsstätte in Pirna. Sie soll vor allem bei einem Problem helfen.

Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD) hat am Montag die neue Anlaufstelle für Homosexuelle in Pirnaoffiziell eröffnet. Der Verein "CSD Pirna" betreibt im Haus Lange Straße 43 seit Kurzem das "Begegnungszentrum zur Förderung sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge", in der Region ein bislang einmaliges Projekt. Köpping lobte das Engagement der Organisatoren und sagte zu, das Vorhaben weiter zu unterstützen - finanziell und moralisch. "Gerade, weil noch immer Minderheiten diskriminiert werden, ist solch eine Anlaufstelle immens wichtig", sagt die Ministerin. Und Vorurteile ließen sich am besten in Begegnungen abbauen. Über ein Jahr lang hatte der Verein daran gearbeitet, um die Begegnungsstätte aufzubauen. Sie dient in erster Linie als Treff für Homosexuelle, insbesondere auch für geflüchtete Homosexuelle, die dort offen über ihre Neigungen sprechen können. Ergänzt wird das Angebot mit Workshops, Kinoabenden und psychologischer Beratung, die auf Wunsch anonym ist.

Mai

Mehr als nur 99 Luftballons

Bunt wird es am 17. Mai auf dem Markt. Dafür sorgt eine besondere Aktion des Vereins Christopher Street Day Pirna.

Exakt 300 bunte Luftballons fliegen am 17. Mai von Pirna aus in die Welt. Veranstaltet wird ein sogenannter Rainbow Flashmob anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie. Der Begriff Flashmob bezeichnet einen kurzen, scheinbar spontanen Menschenauflauf auf öffentlichen Plätzen, bei denen sich die Teilnehmer persönlich nicht kennen und ungewöhnliche Dinge tun.

Zusammen mit dem Pirnaer Akubiz e. V. lädt der Verein Christopher Street Day Pirna (CSD) zu diesem Ereignis ein. Los geht es um 17.30 Uhr auf dem Marktplatz, sagt CSD-Vorsitzender Christian Hesse. Die Besucher haben die Möglichkeit, auf Kärtchen Botschaften für Toleranz und Akzeptanz aufzuschreiben. Diese werden an mit Gas befüllten Luftballons befestigt, die schließlich um 18 Uhr in die Luft steigen. "Wir möchten mit dieser Aktion ein Zeichen gegen Homophobie und für Akzeptanz setzen", erklärt Christian Hesse. Er rechnet mit zahlreichen Besuchern.

Der internationale Aktionstag erinnert an den 17. Mai 1992. Seit diesem Tag definiert die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität nicht mehr als Krankheit. Aber alle Feierwütigen sollten sich schon mal vorab auch den 7. Juli vormerken. Dann lädt der CSD Pirna wieder zu einem schrill-bunten Christopher Street Day ein. Das Motto lautet "Stark durch Vielfalt".

Diesmal wird es eine Demokratiemeile geben, in der Besucher einige Politiker aus der Region mit ihren Fragen löchern können. Zahlreiche Livebands und eine lange Aftershow-Party stehen ebenfalls auf dem Programm.

Für eine bunte Stadt

Exakt 300 bunte Luftballons stiegen am vergangenen Donnerstag in den Himmel über Pirna. Zusammen mit dem Akubiz hatte der Verein Christopher Street Day Pirna (CSD) zu einem Luftballon-Flashmob geladen. Besucher konnten Botschaften für Toleranz und Akzeptanz auf kleine Kärtchen schreiben und diese mit den Ballons aufsteigen lassen. Die Aktion erinnerte an den 17. Mai 1992 - den Tag, seit dem die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität nicht mehr als Krankheit definiert. Am Mittwochabend dieser Woche gehen die Veranstaltungen für Toleranz und ein buntes Miteinander weiter. Das Queere Netzwerk Sachsen und das Begegnungszentrum Pirna laden zur Podiumsdiskussion "Vielfalt und soziale Gerechtigkeit". Die Veranstaltung thematisiert die nach wie vor existierenden ablehnenden und feindlichen Einstellungen gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender-Menschen. Eingeladen aufs Podium sind unter anderem die Grünen-Landtagsabgeordnete Katja Meiter und Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke. Die Diskussionsrunde beginnt am 23. Mai, 18 Uhr, im Begegnungszentrum Pirna, Lange Straße 43.

Juni

Linksfraktion spendet für Homosexuellen-Treff

Die Bundestagsfraktion der Partei "Die Linke" hat das Begegnungszentrum für Homosexuelle auf der Langen Straße in Pirnamit einer Spende unterstützt. Der Bundestagsabgeordnete André Hahn übergab in dieser Woche den Betrag von 500 Euro. Nach Auskunft von Christian Hesse, Vorsitzender des Vereins "CSD Pirna", hatte der Verein diese finanzielle Hilfe im Februar dieses Jahres bei der Bundestagsfraktion beantragt. Die Finanzspritze war vor Kurzem bewilligt worden. Laut Hesse werde die Summe nun halbiert. 250 Euro kommen dem Begegnungszentrum zugute, das am 5. März eröffnet wurde. Die anderen 250 Euro fließen in den Christopher-Street-Day, der am 7. Juli in Pirna stattfindet.

Juli

CSD Pirna 2018

Pirna zeigt wieder Regenbogenflagge

Am Wochenende wird der Christopher Street Day bunt gefeiert. Die Veranstalter haben das Sicherheitskonzept verstärkt.

Der Termin ist griffig. Am 7.7. wird der siebte Christopher Street Day (CSD) auf dem Markt in Pirna gefeiert. Erneut organisiert der gleichnamige Verein CSD Pirna das laute und schrille Spektakel. SZ sprach mit dem Vorsitzenden Christian Hesse über die Höhepunkte, das Sicherheitskonzept sowie über Anfeindungen gegen Schwule und Lesben.

Herr Hesse, als Auftakt für den CSD wurde am 2. Juli bereits die Regenbogenflagge am Rathaus gehisst. Warum nicht auch am Landratsamt?

Wir haben gar nicht angefragt, weil wir uns keinen Korb holen wollten. Zum Hintergrund: 2016 wurde die Flagge oben auf dem Sonnenstein aufgezogen. Es gab danach sehr hässliche Kommentare auf Facebook und einen Bürgerbrief an den Landrat, warum er dies gestattet habe. In Folge wurde 2017 die Flagge am Landratsamt nicht gehisst. Beim Rathaus hatten wir hingegen noch keine Probleme.

So ganz glatt scheint es aber auch diesmal nicht zu laufen. Das Werbebanner für den CSD am Fähranleger wurde bereits gestohlen. Im vergangenen Jahr haben Unbekannte die Plane an der Bühne in der Nacht vor dem Fest aufgeschlitzt. Am Tag selber versuchten Personen, die Feier zu stören…

Aufgrund dieser unschönen Erfahrungen haben wir das Sicherheitskonzept noch einmal überarbeitet. In diesem Jahr wird es eine Nachtwache von Freitag auf Sonnabend geben, damit die Bühne und Beleuchtung gesichert sind. Am Tag selber kontrollieren verstärkt Polizeibeamte und eine extra eingestellte Sicherheitsfirma das Fest. Wir finden es sehr schade, dass wir solche Vorkehrungen treffen müssen, aber anders scheint es nicht zu gehen.

Ich verstehe das nicht. Warum existieren immer noch Vorbehalte in der Gesellschaft gegen Schwule und Lesben. Woher rührt diese Homophobie? Haben Sie eine Erklärung?

Ich glaube, wir passen für viele Menschen nicht in deren traditionelles Bild. Sie haben die feste unumstößliche Vorstellung, dass eine Partnerschaft ausschließlich heterosexuell sein kann. Eine Ehe kann nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden. So war es immer und so soll es auch bleiben, lautet das Credo der Kritiker. Besonders schlimm wird übrigens in den sozialen Medien feige und anonym gegen uns gehetzt. Fakt ist, wir wollen niemandem etwas Böses. Wir verlangen nicht, dass irgendjemand unsere Neigungen teilt. Aber wir erwarten Toleranz und Akzeptanz von unseren Mitmenschen für unser Leben und unsere Vorstellungen.

Das Motto des diesjährigen CSD lautet ,Stark durch Vielfalt‘. Welche konkrete Botschaft steckt dahinter?

Wir wenden uns verstärkt an die neuen Mitbürger, die zu uns nach Deutschland geflüchtet sind. Ihnen wollen wir zeigen, dass man Homosexualität in der Gesellschaft offen leben kann, ohne Repressalien zu befürchten. Das ist längst nicht in allen Ländern selbstverständlich. In Russland werden beispielsweise homosexuelle Politiker verfolgt.

Auf welche Höhepunkte können sich die Besucher beim CSD am Sonnabend freuen?

Es gibt eine Demokratiemeile, auf der sich Vereine, Parteien, Initiativen präsentieren. Eingebunden darin ist das World-Café. Hier können die Besucher verschiedene Politiker mit ihren Fragen zu allen möglichen Themen löchern. Am Abend gegen 19 Uhr tritt auf der Bühne Robert König mit seiner Roland-Kaiser-Tribute-Show auf. Und danach wird bei der großen After-Show-Party getanzt! Wir rechnen mit 2 000 Besuchern.

Eine Miss unterm Regenbogen

Der Christopher-Street-Day wird immer populärer. Erstmals war eine Schönheitskönigin dabei.

Der Pirnaer Christopher Street Day, kurz CSD, muss das Prädikat als kleinste Veranstaltung seiner Art im Lande endgültig abgeben. Die Open-Air-Party für die Freiheit sexueller Orientierung und Geschlechteridentität hat am Sonnabend etwa 3 000 Menschen auf den Markt gezogen. Bis Mitternacht gab es Trubel unter der Regenbogenflagge, die am Rathaus aufgezogen war. Es war der siebte CSD in Pirna, begangen diesmal am 7. 7., die Sieben - offenbar eine Glückszahl, sagte Organisator Christian Hesse. Das Publikum sei, verglichen mit 2017, um einen Tausender angewachsen. "Der CSD ist in der Stadt angekommen."

Mit der Devise "Stark durch Vielfalt" feierten die Gäste zwischen den Ständen von Parteien, Vereinen und Organisationen und vor der großen Bühne, fantasievoll und teils äußerst schrill. So fand sich die aktuelle "Miss Tuntenball" aus Dresden, Janeé Melon alias Jim Mehwald, auf dem Fest ein. Der Pirnaer CSD sei für ihn Neuland, sagte der 27-jährige Travestiekünstler. Er wolle hier Gesicht zeigen und die Veranstalter unterstützen. "Da dachte ich mir, ich werf' mich als Miss Tuntenball in Schale."

Etwa dreieinhalb Stunden dauerte es, Make-up, Haarpracht und Outfit herzustellen, zu dem auch zehn Zentimeter hohe Schuhe gehörten. Kein Vergnügen auf Pirnas grobem Pflaster. Aber ausziehen war keine Option für die Miss und ihre Begleitung. "Wir schummeln nicht!"

Emilie, Jamie und Lorenor, fünfzehn, sechzehn Jahre alt, boten auf Schildern vor der Brust "Free Hugs" an, gratis Umarmungen. Mehr Liebe sei ein guter Weg, Diskriminierung und Angst vor dem Anderssein zurückzudrängen, sagte Lorenor. Bei ihrer Knuddel-Aktion gingen die drei über kleine Schnipsel mit Parolen wie "No Homo" hinweg, die unbekannte CSD-Gegner nachts zuvor ausgestreut hatten. Für Emilie unbegreiflich. "Was stört es die Leute, wenn wir hier unseren Spaß haben?"

Bis zum Ende des Festes kam es laut Organisator Christian Hesse zu keinen Zwischenfällen. "Alles war tipp topp." In der Szene sei der Pirnaer CSD nunmehr eine feste Größe, ein willkommener Ort für homosexuelle Paare, sich unbeschwert zu zeigen. Abseits dieses Tages sei das vielerorts nicht möglich, sagte Hesse, auch nicht in Pirna, seiner Heimatstadt. Wann es soweit sein wird? "Hoffentlich bald."

Oktober

Gohrisch ist jetzt "Politischer Ort"

Die Landeszentrale für politische Bildung ehrt Orte und Vereine. Da war auch Zufall dabei.

Die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) zeichnet jedes Jahr im Wettbewerb "Politische Orte in Sachsen" Initiativen und Vereine aus, die sich besonders in politischer Bildungsarbeit engagieren. Drei der insgesamt acht Ehrungen gingen jetzt in die Sächsische Schweiz. Ein Preisgeld von je 1 000 Euro erhalten der Verein Aktion Zivilcourage und das Pirnaer Begegnungszentrum zur Förderung der Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt im Landkreis mit seinem Trägerverein CSD Pirna. Zur Preisvergabe heißt es von der Landeszentrale: "Beide Vereine setzen sich für Toleranz und Vielfalt ein und setzen durch ihre Tätigkeit ein Zeichen für liberale und plurale Demokratie."

Außerdem erklärte die Sächsische Landeszentrale den Kurort Gohrisch zu einem "Politischen Ort in Sachsen". Dort trat im April 1990 die Arbeitsgruppe Landesverfassung als Teil der"Gemischten Kommission Baden-Württemberg/Sachsen" zusammen. Bis August entstand ein Verfassungsentwurf, der als "Gohrischer Entwurf" bezeichnet wird und die Keimzelle der späteren Sächsischen Verfassung ist. Damit habe Gohrisch eine herausragende politische oder historische Bedeutung, auch wenn der Tagungsort eher zufällig gewählt war.

Das geehrte Begegnungszentrum in Pirna ist die bisher einzige Anlaufstelle für Homo- und Bisexuelle sowie Menschen mit Transidentität im Landkreis und bietet Räume für Information, Dialoge und Beratung. Dort wird die Preisverleihung am Montag, dem 15. Oktober, im Rahmen der Diskussionsveranstaltung "Homosexualität in der DDR" stattfinden. Interessierte sind herzlich eingeladen. Beginn ist um 19 Uhr auf der Lange Straße 43 in Pirna.

Quelle: http://csd-pirna.de/Presse_2018