Stolpersteine in Pirna

Am 22.09.2022 konnten wir den 4. Stolperstein in der Stadt Pirna verlegen

Heute wollen wir dem Namen Arthur Pautzsch auf dem Stolperstein, Rosa-Luxemburg-Straße 9 in Pirna, seine Geschichte hinzufügen.

Carl Arthur Pautzsch wurde am 14.04.1896 in Dresden geboren. Seine Eltern betrieben einen Viktualienhandel und Schankwirtschaft auf der Alaunstraße in Dresden.

Er hatte fünf Geschwister und arbeitete als Musiker.
Am 26.09.1939 wurde er in Dresden wegen „Unzucht mit Männern“ nach § 175 zu einem Jahr Haft verurteilt.

Es folgen Haft im Gefängnis Zwickau, 28.02.1940 der Transport von Zwickau über das Untersuchungsgefängnis Plauen, am 20.03.1940 der Weitertransport nach Rodgau.

27.03.1940 war seine Einlieferung im Gefangenenlager Rodgau, Lager II, in Oberroden Hessen, am 15.08.1940 sein Entlassungstag.

Anfang 1941 erfolgte seine Einlieferung in das KZ Sachsenhausen. Dort wurde er am 04.04.1941 ermordet.

Wir ehren sein Andenken und werden uns weiter für eine Gesellschaft ohne Diskriminierung jeglicher Art einsetzen

Am Samstag, den 11. Mai 2019, erhielt Pirna zwei weitere Stolpersteine.

Der erste Stolperstein wurde im Jahr 2013 für den Priester Dr. Benno Scholze auf der Dr.Wilhelm-Külz-Str. 3 in Pirna verlegt. Benno Scholze wurde 1941 in das KZ Dachau gebracht und inhaftiert, konnte allerdings befreit werden.

Das Begegnungszentrum Pirna und der AKuBiZ e.V. laden alle Interessierten ein, am Samstag, den 11. Mai 2019 (13 Uhr), auf der Niederen Burgstr. 6 in Pirna bei der Verlegung eines zweiten Stolpersteins – für Karl Emil Heinrich – anwesend zu sein. Karl Emil Heinrich wurde in Pirna geboren und gehörte zu den Vielen, die von den Nazis aufgrund ihrer sexuellen Orientierung nach dem § 175 verurteilt, verschleppt und ermordet wurden. Der Laienchor PirMoll wird die Verlegung musikalisch umrahmen.

Die Beweggründe der Initiativen: Zum einen dürfen wir niemals die Menschen vergessen, die aufgrund ihres vermeintlichen „Andersseins“ ausgegrenzt, verfolgt und in vielen Fällen während des NS-Regimes getötet wurden. Daneben sollen der Stolperstein und die Rahmenveranstaltungen daran erinnern, dass für die Gleichberechtigung von homosexuellen sowie von bisexuellen, inter- und transgeschlechtlichen Menschen noch viel getan werden muss. Wenngleich es den Paragraphen 175 in Deutschland nicht mehr gibt, der die sexuelle Orientierung vieler Menschen unter Strafe gestellt hat, existieren Vorbehalte und Klischees, Diskriminierung ist an der Tagesordnung. Der Stolperstein soll eine dauerhafte Möglichkeit bieten, Heinrich und den vielen Menschen, die ein ähnliches Schicksal mit ihm teilen, zu gedenken.

Ein weiterer Stolperstein wird am selben Tag (13.40 Uhr) in Bonnewitz verlegt. Er bekommt einen Platz vor dem sogenannten Haus Spitzner auf der Martin-Kretschmer-Straße 3.

Im Sommer 1935 kam der Heilpädagoge Martin Kretschmer nach Pirna, um eine Einrichtung für seelenpflegebedürftige Menschen zu eröffnen. Fast sechs Jahre gelang es ihm, das Haus zu führen und so auch Menschen eine Bleibe zu geben, die von den Nazis verfolgt wurden. Dazu gehörte neben vielen Kindern auch die jüdische Berliner Geigerin Gerda Bischof, die in Bonnewitz als Lehrerin arbeiten konnte. Im Sommer 1941 geriet Martin Kretschmer dann ins Visier der Geheimen Staatspolizei (Gestapo), die ihn in Bonnewitz verhaftete und ins Polizeigefängnis Dresden brachte. Von dort aus deportierten sie ihn ins Konzentrationslager Sachsenhausen. Im Außenlager Klinkerwerk starb er dann am 19. Februar 1942.
Die dortige Veranstaltung findet ab 13.40 Uhr mit einer Rede durch die Einrichtungsleitung statt und wird ebenfalls von Musik des Pirnaer Laienchors PirMoll begleitet.

Am Abend des 11. Mai luden wir alle Bürger*innen ein, im Begegnungszentrum (Lange Straße 43) vom Künstler Gunter Demnig etwas über das Projekt Stolpersteine zu erfahren.

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